Coimbra im Ausnahmezustand

Nach 3 Tagen fahren wir heute weiter nach Norden. Als Abstecher wollen wir uns Coimbra, Portugals drittgrößte Stadt, anschauen. Sonntags Städte besichtigen kann auch mal etwas zu ruhig sein, da alles geschlossen ist. Wir haben aber gelesen, dass zur Zeit die Studenten ihren Abschluss in der Stadt feiern, vielleicht bekommen wir ja was mit.

Wir parken auf einem fast leeren LKW-Parkplatz, es sind 28° C, aber es weht ein leichter Wind. 

Die Altstadt liegt ansehnlich auf einem Hügel.

Es ist schon einiges los, wir erkennen die Studenten an ihrer Kleidung.

Komisch, dass Banken immer solche Prachtbauten haben. Wo kommt denn nur das Geld dafür her? 😉

Coimbra ist für seinen Fado bekannt, der hier nur von Männern gesungen wird und ganz anders, als der aus Lissabon sein soll. Ein großes Wandbild empfängt uns.

 
Beim Fado-Denkmal gibt es keine Chance, keine Person mit abzulichten, da passen die Kinder sogar sehr gut.

Einige Bauten und Plätze sind sehr ansehnlich, in der Sonne ist es aber nicht auszuhalten.

Die Fußgangerzone ist voll, von wegen "Sonntagslangweile".

Jeder Student hat einen Umhang, und an vielen Stellen kann man sehen, wir er dann in der Luft zusammengerollt wird...

...damit er dann, zusammengeknotet, über der Schulter getragen wird.

Es ist eng in der Altstadt, das bedeutet viel Schatten, aber kaum freie Sicht.

Richtung Universität wird es schnell brechend voll.

Ich bin wohl der Einzige hier, der heute einen Blick für die Gebäude hat, es werden immer mehr Studenten, inzwischen gruppieren sie sich vielerorts.

Am nächsten Platz bekommen wir dann die Erklärung. 

Dort stehen Motivwagen bereit. Es findet heute also das größte Ereignis statt, ein Umzug durch die Stadt mit allen Studenten, die ihren Abschluss geschafft haben. Und bei 22.000 Studenten, sind das nicht wenige.

Keine Ahnung, wann der Umzug los geht, aber das Bier fließt hier schon in Strömen.
Allerdings weniger in die Kehlen, als ins Gesicht und Kleidung der anderen Studenten.

Ich nehme einige Filme auf, die wohl am Ende der Reise in die Zusammenfassung kommen werden.
Eine Straße weiter gibt es kaum noch ein Durchkommen. Jedenfalls nicht trocken. Unmengen von Dosen Superbock-Bier werden hier gruppenweise 3 Mal fest auf den Boden gehauen, um dann geöffnet zu werden. Manche sind schon von oben bis unten klatschnass. Und wir haben uns vorher gewundert, dass hier alle das Handy in einer wasserdichten Verpackung um den Hals hängen haben.


Hier kehren wir auch um, Gebäude sind heute einfach nicht angesagt.

Die städtischen Putzkollonnen stehen schon bereit. Wenn der Zug losgeht, wird hier gleich zusammengefegt.

Wir nehmen einen Umweg, um doch noch woanders hinzukommen, stecken aber auch bald wieder fest.

Wir brechen unseren Rundgang ab. In einer Bar mit tollem Blick über die Umgebung Coimbras machen wir eine kleine Pause.
Aber das interessiert ja heute keinen, die Bar ist leer...

Mit starkem, menschlichem Gegenverkehr schaffen wir es, wieder zum Fluss zu kommen. Inzwischen sind auch die Hauptstraßen geperrt, bald muss es losgehen.

Aber ohne uns. Nichts wie raus. 
Und genau das wird zu einem echten Problem. Unser leerer LKW-Parkplatz ist nicht nur voll, sondern randvoll. Obwohl ich genau zwischen 2 Einfahrten geparkt habe, ist nun alles zugeparkt. Ich sehe nur eine Möglichkeit nach hinten rauszukommen. Brigitte bleibt draußen und ich fahre so schnell es geht los. Schwupps, stellt sich jemand hinter mir so hin, dass ich nicht mehr rauskomme. Brigitte versucht schon lautstark zu erklären, dass wir so nicht rauskommen, aber es gibt erst einmal keine Reaktion. 
Ich bin ja normalerweise sehr ruhig, aber scheinbar kann ich auch anders. Nachdem ich aus dem Womo gesprungen bin und auf den Fahrer zulaufe, versteht er dann doch recht schnell, was ich meine. Aus der Parklücke kommen wir dann langsam raus, aber nicht aus dem Parkplatz, da durch alle Lücken weiter Autos auf den Platz fahren. Meine sonst nur bei der HU alle 2 Jahre betätigte Hupe läuft heiß, auch vehementes weiterfahren mit einem 4-Tonner bringt uns an den Rand des Parkplatzes. Hier bleibe ich jetzt stehen, da wir im Womo noch alles wegräumen müssen und auch das Navi noch montiert werden muss. Jetzt laufen andere Hupen heiß, ist mir aber wurscht!
Die Straßen rundrum sind voll, unsere navimäßige Fluchtroute ist geperrt, das Ding berechtet keine Alternative, wir verfahren uns und haben 10 km Umweg. Aber irgendwann sind wir raus aus Coimbra, die Straßen sind leer und das Adrenalin kann sich abbauen.

Viel später als gedacht, sind wir auf einem großen Campingplatz und stellen uns in die letzte Ecke. So wie auf dem LKW-Parkplatz... 

Auch dieser Platz ist toll gelegen, zwischen einer hübschen Lagune...

...und dem Atlantik.

Wir bekommen einen schönen Platz in einem...na was wohl?
Das Lächeln kehrt zurück.

Heute, zur Belohnung, noch einmal die tollen Muscheln.

Uns wird an der Fischtheke ein Rockfish empfohlen, diesen probieren wir. Bei diesem werden dann 2 große Filets tranchiert, das Fleisch ist, wie uns vorher beschrieben wurde, etwas fester, und er ist hervorragend gegrillt. Dazu haben wir den bisher allerbesten Weißwein aus dem Alentejo, der Service ist super, irgendwann ist der Ruhepuls wieder erreicht.

Hier bleiben wir noch einen Tag!



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