Merde!

Der Tag fängt wieder perfekt an. Bei strahlendem Sonnenschein, aber noch kühlen Temperaturen, laufe ich ein paar Kilometer am Strand entlang. Die schneebedeckten Pyrenäen sind im Morgenlicht zum Greifen nah und wirklich beeindruckend. Das Laufen im Sand dafür umso anstrengender, da der feste Teil des Sandes zwischen nass und trocken voll mit dem Treibholz des Winters ist und ich daher bei jedem Schritt im Sand daneben einsinke. 

Nach unserem ersten Frühstück in der Sonne vor dem Womo, suche ich eine einfache Radtour raus, die natürlich auch zu einem größeren Hafen führt, wo wir einkehren wollen.

Nach nur 9 km dann das abrupte Ende. Brigitte übersieht den wohl 20sten Betonpoller auf dem leeren Radweg (es war wahrscheinlich der Letzte!) und stürzt! 

Nach kurzer Zeit hält ein Wagen mit einem jungen Sportlehrer aus der nahen Schule und übernimmt die Erstversorgung. Wir haben zwar auch ein Erste-Hilfe-Paket im Radrucksack, aber zu dessen Anwendung kam ich gar nicht. Er ruft auch gleich seine Freunde vom Sanitätsdienst an, und recht schnell sind sie vor Ort. Brigitte und ihr Fahrrad kommen in den Krankenwagen, ich fahre mit meinem Fahrad bis zu der Schule hinterher, wo ich dann die Fahrräder unterstellen darf. 
Danach fahre ich auch im Krankenwagen mit, keine Ahnung wohin. An den üblichen Staus kommen wir mit Blaulicht und Martinshorn prima vorbei, und ich wünsche mir so etwas auch für unser Womo.
Die Reise endet dann im großen Zentralhospital von Béziers. Während ich die wenigen notwendigen Formulare ausfülle, wird Brigitte schon zum Röntgen gebracht. Das Ergebnis ist für uns leider niederschmetternd. Der rechte Ellenbogen ist gebrochen und das Schlüsselbein angeknackst!

Das war's dann wohl! 

Die notwendige OP ist heute nicht mehr möglich, morgen aber schon. Brigitte bleibt daher im Krankenhaus. Um 20:30 Uhr möchte ich dann mit einem Taxi zum Womo fahren. Für mich ist klar, dass vor Bahnhöfen und Krankenhäusern immer Taxen stehen.
Hier aber nicht! Schon im Krankenhaus und noch mehr davor, ist absolut nichts mehr los. Nach einiger Zeit kommt noch ein junger Mann aus dem Krankenhaus. Ich frage ihn, wo denn hier ein Taxi zu bekommen ist, und er erwidert, dass es wohl jetzt überhaupt keine Taxen mehr gibt!
Mist! Ich habe ja sonst immer Ideen, wie es weitergehen kann, jetzt aber absolut keine. Ich stehe da nun frierend in meinen kurzen Radklamotten rum und weiß nicht weiter. Das sieht man mir wohl an, und er fragt mich, ob er mich zum Womo fahren kann.
Ich kann zwar gar keine Flügel an ihm erkennen, aber mir fällt der Ayers Rock vom Herzen.

20 Minuten später bin ich in einem völlig ausgekühltem Womo, da wir wegen der Sonne alle Klappen offen gelassen haben. 2 Bier später falle ich völlig kaputt ins Bett.

 

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