Sevilla oder: Das ist der Wahnsinn!

Sevilla haben wir ja vor einiger Zeit bei 37 C links liegen lassen, bei nun 27 C machen wir das aber jetzt. Trotz noch schnell runtergeladener Reiseführer sind wir wunderbar unvorbereitet. Höchste Zeit, dass das autonome Womo-Fahren funktioniert, dann hätte ich etwas mehr Zeit zum Lesen.

Ohne Frühstück rein in die Stadt und los geht's.

Der 3-D-Ortsname ist gut besucht, aber alle warten geduldig, bis sie dran kommen. Mich interessiert alledings beim Frühstück die darüber liegende Dachkonstruktion viel mehr.

Darunter ist ein kleiner Markt. Es ist immer wieder schön, einfach nur die liebevoll dekorierten Stände anzuschauen.


Das war schon eine prima Overtüre.
Danach einfach durch die Straßen mäandern. Und immer wieder hochschauen. Klasse!


Am ansehnlichen Rathaus gibt es die erste feste Nahrung.

Leider die allerschlechtesten Patatas Bravas, die es überhaupt geben kann. Pech gehabt.
Hinter dem Rathaus entdecken wir ein Spanien-Festival der einzelnen Provinzen Spaniens. Kantabrien stellt sich gerade vor.


Nicht ganz meine Stilrichtung, aber authentisch und interessant.

Den Königspalast sollte man unbedingt besuchen, heißt es.

Aber nicht jetzt, denken wir uns beim Anblick der Schlange.

Danach DIE Kathedrale. Die größte, gotische Kirche, im nicht allzu kirchenarmen Spanien, und eine der größten Kirchen der Welt. 


Die Schlange davor ist nur unwesentlich kürzer, wir bleiben draußen.


Danach brauchen Füße und Netzhaut eine Pause. Wir könnten auch in Marokko sein.

Anschließend weiter zum Plaza Espana. Mit viel Mühe arrangiert jemand ein typisch spanisches Motiv, aber die Fotos dazu macht er dann mit einem Handy! Aber vielleicht möchte er ja die interne Aufhübschung mit KI, die mittlerweile üblich ist.

Die Plaza ist eine Welt für sich.


In Venedig kann es nicht schöner sein. Das sagen sich auch die Goldfische im Wasser.

Auf einem Treppenabsatz wird Flamenco dargeboten. Ich filme, bis die Kamera sehr warm wird, Fotos vergesse ich dummerweise.

Weiter geht es zurück in die Stadt. Tolle Fassaden...

...wehrhafte Türme...

...und an der Arena werden tatsächlich gerade Stiere in einem Laster angeliefert.

Zu den überforderten Füßen und Augen meldet sich dann auch noch der unterforderte Magen. Diesem kann aber schnell und gut geholfen werden. In einem Restaurant gibt es nicht nur die Speisekarte per QR-Code, sondern wir bestellen auch gleich per Smartphone. Immerhin erkennt der Kellner meine nachdenklichen Falten auf der Stirn, und er fragt in der Küche nach, ob meine Bestellung auch eingegangen ist. 

Sie ist es...

Danach sind wir fertig. Mit der mentalen Aufnahmekapazität, mit den Beinen und mit der Besichtigung. Aber plötzlich werde ich nervös, die blaue Stunde bricht an. Ich möchte noch einmal zur Kathedrale.

Ein toller Abschluss, denken wir uns.

Wo kommt denn die Musik her, fragt Brigitte. Das ist meist der Beginn einer Planänderung.
Es nähert sich zuerst ganz langsam ein großer, von der Kleidung her, Polizei-Musikkorps, mit sehr getragener Marschmusik. 

Nach einer halben Stunde sind sie hinter der Kathedrale verschwunden. Stille tritt ein.
Von den Personen, die jetzt erscheinen, erwarte ich sicher auch keine Rave-Party. Es wird religiös.

Und was dann kommt, verschlägt uns die Sprache.
Wir sind mitten in einer Prozession!
Eine Marienstatue wird direkt an uns vorbei getragen. Sie wird von mindestens 18 Männern getragen, die sicher mehr schwitzen, als ich auf der letzten Wanderung. Man kann nur die Füße sehen, alles andere ist mit schwerem Stoff abgehängt. Alle 15 m müssen sie Pause machen. Das Ding wiegt bestimmt über eine Tonne.

Es wird mit maximal möglichem Glockengeläut der Kathedrale in die Kirche getragen, die nun für alle offen ist.

Nach einer religiösen Zeremonie geht es wieder nach draußen, begleitet von mächtgen Rauchschwaden aus Weihrauch und Myrrhe .

Meine Kamera ist vom Filmen heißgelaufen, der 2. Akku schon wieder halb leer und ich habe wirklich Gänsehaut, da wir so nah dran sind.
Danach entfernen sich langsam alle Beteiligten in einer prächtigen Kulisse.

Wir sind völlig platt!
Es mag sein, dass in der Karwoche das alles noch größer und prächtiger ist, aber da steht man bestimmt Stunden im Gedränge und ist dann doch noch 50 m entfernt.
Das hier war völlig überraschend, es gab nigendwo einen Hinweis, und selbst später habe ich nicht herausfinden können, was der Anlass war.

Jetzt müssen wir erst einmal wieder runter kommen. Das geht zum Glück in den Altstadtgassen gut.

Das war ein Mega-Eindrücke-Tag! Sevilla hat uns beide sofort verzaubert. Platz 1 im Stadtbesichtigungsranking der letzten Jahre. Sorry Bilbao...

Leider schaffe ich es zeitlich nicht, die vielen Filmsequenzen von heute sinnvoll auszuwerten. In der Reisezusammenfassung werde ich es aber bestimmt berücksichtigen. 😊




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