Blaye, oder: Warmes Wasser machen wir später

Die Nacht beim Winzer war wirklich sehr ruhig.

Nach dem Frühstück gehen wir die am Vorabend geplante Strecke an. Wir zweigen nach Süden ab, da Blaye ganz nett sein soll. Außerdem liegt es direkt an der Gironde. Das ist zwar noch nicht der Atlantik, aber der größte Mündungstrichter Europas ist für uns schon mal eine ganze Menge Wasser. Danach soll es am Gironde-Ufer Richtung Atlantik gehen. Bei solchen Etappen heizen wir unser Warmwasser gerne auf den letzten 30 km mit der Motorwärme über den Wärmetauscher auf.

Nach nur 28 km ist mit Blaye unser erster Stopp erreicht, und nach kurzem Suchen finden wir tatsächlich einen Stellplatz in allerbester Lage direkt an der Gironde. Ein Womo fährt gerade weg, und schwupps haben wir einen brauchbaren Platz mit Käfighaltungsfeeling. Aber uns ist klar, dass ein solcher Platz gerne besucht wird. Einsam gibt es woanders, und wir wollen ja auch nur Parken, um die Stadt zu besichtigen. Rein in den kleinen Ort und nur mit viel Selbstdisziplin nehmen wir nicht gleich den einzigen freien Tisch im ersten Restaurant. 

Na, so viel hat der Ort selbst dann doch nicht zu bieten, aber am Ufer haben einige junge Leute ein trendiges Lokal um einen alten englischen Bus eingerichtet.

Es ist für den Nachmittag mal wieder Regen angesagt, daher nehmen wir Platz, ohne irgendetwas körperlich dafür getan zu haben. Macht aber nichts, eine kleine, geteilte Platte geht schon, gerade weil der Schinken vom einheimischen seltenen Cochon Noir, dem schwarzen Schwein, stammt. Und der Ausblick ist prima!

Danach geht es zur großen Festung von Blaye.

So, wie man in den 70ern sofort erkannte, dass ein Produkt von Luigi Colani entworfen wurde, so kann man an diesem Bauwerk erkennen, dass Festungsbaumeister Vauban hier seine Finger im Spiel hatte. Die 40 ha große Anlage hat im Innern ein richtiges kleines Dorf und hatte zu ihrer Zeit die Gironde fest im Griff.

Danach geht es wieder in den Ort, wo einem dann doch gewisse Unterschiede auffallen. Wo es mittags noch so aussah...

...sieht es später so aus.

Wir merken, dass die Zeit schon weit fortgeschritten ist und entschließen uns, einfach hier zu bleiben. Ungeplant und ohne warmes Wasser. Die dicken schwarzen Wolken ziehen an uns vorbei, und wir genießen einen schönen Abend am Wasser.

Irgendwann segelt auch ein Boot RÜCKWÄRTS an uns vorbei. Bevor ich aber den Rest Wein in die Gironde schütte, bemerke ich, dass die durch die Flut entstandene landeinwärts strömende Wassermenge schneller fließt als das Boot vorwärts segelt!

So steht einem schönen Sonnenuntergang nichts mehr im Wege...


Kommentare